Eine Checkliste für die Bewertung von Wertversprechen
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Die Bewertung von Wertversprechen

Das Wertversprechen (englisch: Value Proposition) eines Produktes oder einer Dienstleistung beschreibt den Nutzen, den es bzw. sie dem Käufer anbietet. Beispielsweise ist das Wertversprechen eines Kinos Unterhaltung, das eines ICE schnelles und komfortables Reisen zwischen Großstädten.

Es ist wichtig, das Wertversprechen nicht mit Produkteigenschaften oder mit Vorteilen zu verwechseln. Das A8-Modell von Audi hat beispielsweise eine Aluminiumkarosserie mit dem Vorteil, dass sie nicht rostet. Das Wertversprechen ist aber, Geld und Umstände (für die Reparatur von Roststellen) zu sparen.

Das Wertversprechen spielt eine zentrale Rolle in der Definition eines Geschäftsmodells und ist daher in fast allen Schablonen vorgesehen. In der Geschäftsmodellinnovation ist es – zusammen mit der Zielgruppe und dessen Bedürfnisse – das Erste, was festgelegt wird. Entsprechend ist die Bewertung von Wertversprechen ein wichtiger erster Schritt in der Gesamtbewertung des Geschäftsmodells.

Der Erfolg eines neuen Produktes hängt entscheidend von seinem Wertversprechen ab. Bei einem Startup kann dies sogar die gesamte Existenz des Unternehmens bedeuten. Es ist also in einem Innovationsprojekt außerordentlich wichtig, das Wertversprechen mit den richtigen Kriterien zu bewerten und zu optimieren.

Die Checkliste

Wir haben eine Checkliste zur Bewertung von Wertversprechen entwickelt, die wir in unseren Geschäftsmodellinnovation-Workshops einsetzen. Die Checkliste hat neun Kriterien, deren Erstbuchstaben den hilfreichen Akronym VALUEPROP bilden. (Valueprop ist eine häufig anzutreffende Abkürzung für Value Proposition, die englische Übersetzung von Wertversprechen.)

  • V: Valuable (wertvoll)
  • A: Advantageous (vorteilhaft)
  • L: Lucid (klar)
  • U: Underserved (nicht ausreichend bedient)
  • E: Exclusive (exklusiv)
  • P: Precise (präzise)
  • R: Rare (selten)
  • O: Outperforming (überlegen)
  • P: Prioritized ((hoch-)priorisiert)

Valuable

Das Wertversprechen soll einen wertvollen Markt adressieren: Entweder sollte er sehr groß oder sehr zahlungskräftig (oder beides!) sein. Ist dies nicht der Fall, sind die Wachstums- und Gewinnchancen beschränkt.

Advantageous

Das Wertversprechen soll dem potentiellen Kunden einen deutlichen Vorteil in Aussicht stellen gegenüber den Alternativen, die ihm sonst zur Verfügung stehen.

Lucid

Das Wertversprechen muss (für die Zielgruppe!) klar verständlich sein. Apple hat 2001 mit seiner Werbung für das iPod ein gutes Beispiel dafür geliefert.

Underserved

Je weniger Konkurrenz es gibt, desto besser. Dies kann zwar die Anzahl der konkurrierenden Angebote bedeuten, meint aber vielmehr das Maß der Übereinstimmung ihres Wertversprechens mit den Bedürfnissen der Zielgruppe.

Exclusive

Je schwieriger es für Wettbewerber ist, mit einem ähnlichen Wertversprechen aufzutreten, desto besser.

Precise

Das Wertversprechen sollte zielgenau auf die Bedürfnisse der Zielgruppe treffen.

Rare

Das Wertversprechen sollte selten oder am besten einmalig in seiner Art sein.

Outperforming

Das Wertversprechen sollte eine Leistung anbieten, die die Leistung der Konkurrenten deutlich übertrifft.

Prioritized

Schließlich sollte das Wertversprechen auf ein Bedürfnis treffen, das für den Kunden eine hohe Priorität hat. Je wichtiger es ist, um so empfänglicher wird der Kunde dafür sein. Dieses Merkmal wird oft auch als Urgency (Dringlichkeit) bezeichnet.

 

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