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Was ist die Osborn-Checkliste?

Die Osborn-Checkliste ist eine Kreativitätstechnik, die von einem bestehenden Konzept oder Produkt ausgeht und neun Handlungsvorschläge zur Veränderung bietet. Sie wurde 1953 vom Werbeexperten Alex Osborn in seinem Buch „Applied Imagination“ vorgestellt und ist eine der ältesten und bekanntesten Techniken zur Ideenfindung.

Die Definition der Osborn-Checkliste

Die Checkliste besteht aus den folgenden neun Einträgen:

  • Substitute (Ersetzen): Was können wir an der vorliegenden Situation ersetzen?
  • Combine (Kombinieren): Welche Elemente könnten wir kombinieren?
  • Adapt (Anpassen): Was könnten wir von woanders übernehmen und anpassen?
  • Modify (Verändern): Wie könnten wir die Idee verändern?
  • Magnify (Vergrößern): Was könnten wir hinzufügen oder vergrößern?
  • Minify (Verkleinern): Was könnten wir entfernen oder verkleinern?
  • Put to other uses (Anders verwenden): Was könnten wir für einen anderen Zweck einsetzen ?
  • Rearrange (Umstellen): Was könnten wir neu anordnen?
  • Reverse (Umkehren): Was könnten wir auf den Kopf stellen oder vertauschen?

Wegen der Erstbuchstaben der Listeneinträge im englischen Original wird die Osborn-Checkliste manchmal auch SCAMPR genannt. Daraus ist später durch Hinzufügen der Anregung Eliminate (Entfernen) die SCAMPER-Methode bzw. SCAMMPERR-Methode entstanden.

Wie funktioniert die Checkliste?

Mit der Checkliste kann man nach Möglichkeiten suchen, eine bereits vorhandene Sache zu ändern:

  • Wie könnten wir diesen Werbespot für junge Mütter attraktiver machen?
  • Wie könnten wir diesen Arbeitsprozess effizienter gestalten?
  • Wie könnten wir diese Dienstleistung kundenfreundlicher machen?

Die Einträge in der Liste sind Anregungen, die Ideen zur Lösung solcher Fragen inspirieren können.

Man kann die Checkliste nicht dafür verwenden, frische Ideen zu bekommen. Aufgaben wie diese kann sie nicht lösen:

Beispiel für die Anwendung der Checkliste

Wir können die Osborn-Checkliste auf unseren eigenen Ideenworkshop anwenden, um Verbesserungsideen dafür zu gewinnen:

  • Substitute (Ersetzen): Wir ersetzen die Klebepunkte bei der Schlussbewertung durch Million-Dollar-Scheine (Spielgeld!), um den Wert der Ideen zu symbolisieren.
  • Combine (Kombinieren): Wir schreiben Anregungen aus einer der Ideenfindungsmethoden auf die Rückseiten der Namensschilder.
  • Adapt (Anpassen): Wir übernehmen den Elevator Pitch aus der Startup-Welt und nutzen ihn zur Präsentation der Siegerideen am Ende des Workshops.
  • Modify (Verändern): Wir lockern unseren sonst strengen Zeitplan auf und geben den Teilnehmern eine halbe Stunde, in der sie an ihren Ideen arbeiten können.
  • Magnify (Vergrößern): Wir verlängern den Workshop auf zwei ganze Tage für besonders anspruchsvolle Kundenaufgaben.
  • Minify (Verkleinern): Wir schaffen die Ideenbewertung ab und geben sie dem Kunden als Hausaufgabe mit.
  • Put to other uses (Anders verwenden): Wir stellen die Pinnwände als enges ‘U’ zusammen, um einen Fahrstuhl für die Elevator Pitches zu simulieren.
  • Rearrange (Umstellen): Wir platzieren die Kaffeepause nach der Clustering-Phase, damit die Teilnehmer während der Pause die ausgestellten Ideen ansehen können.
  • Reverse (Umkehren): Wir lassen die Teilnehmer Ideen zur Stärkung der Konkurrenz brainstormen, (um Entwicklungsrichtungen für die eigene Verbesserung zu identifizieren!)

Ein paar von diesen Vorschlägen haben wir in unsere Workshops integriert. Der Elevator Pitch ist seit mehr als zehn Jahren ein fester Punkt in der Agenda. Andererseits ist es vermutlich nicht ratsam, den Workshop zu verkürzen, indem wir die Ideenbewertung daraus entfernen.

Das Original in Osborns Buch

Wir besitzen ein Exemplar der ersten Ausgabe von Applied Imagination. Die berühmte Checkliste steht auf Seite 284:

osborn original checkliste

Osborn hat erkannt, dass die neun Anregungen allein zu abstrakt sind, um wirklich hilfreich zu sein. Er verbringt im Buch viel Zeit damit, sie zu begründen und mit Konkretisierungsfragen anzureichern. Die Checkliste auf Seite 284 ist eine Zusammenfassung der vorausgegangenen 60 Buchseiten, und einige dieser Konkretisierungsfragen sind in der Checkliste zu sehen. Der Wikipedia-Eintrag zur Osborn-Checkliste enthält viele Beispiele für Konkretisierungsfragen.

Osborns Brainstorming-Regeln

Osborn hat vier Regeln für die Ideenfindung aufgestellt – seine sogenannten Brainstorming-Regeln:

  1. Ideen dürfen nicht kritisiert werden.
  2. Je mehr Ideen, desto besser.
  3. Entwickele bereits vorhandene Ideen weiter.
  4. Verrückte Ideen sind willkommen.

Vorteile der Checkliste

Die Vorteile der Osborn-Methode sind:

  • Die Methode ist einfach – jeder kann sie anwenden.
  • Sie braucht keine Vorbereitung und keine speziellen Hilfsmitteln.
  • Sie kann eine schon vorhandene Idee stärken.
  • Sie ist ein gute Übung für das Kreative Denken.
  • Die Listenform ist ein hilfreicher Leitfaden.

Nachteile der Osborn-Methode

Für den Einsatz in der Ideenfindung sind die Perspektivwechsel der Osborn-Checkliste unserer Meinung nach wenig geeignet. Man kann mit ihr keine neuen Ideen gewinnen, sondern lediglich eine bereits vorliegende Sache anpassen.

Die Checkliste enthält auch kein Ziel. Sie liefert keine Hinweise, wo oder zu welchem Zweck etwas angepasst, vergrößert, verkleinert usw. werden soll. Auch wenn man Komponenten der Aufgabenstellung zu den Vorschlägen hinzufügt, werden die Anregungen kaum hilfreicher: Aufforderungen wie Ersetze das Zahnrad! oder Verändere die Stange! sind nicht wirklich hilfreich.

Ziele sind aber für eine wirksame Ideenfindung essenziell. Deswegen ist die Osborn-Methode kaum zur Optimierung eines Produktes geeignet, wie oft behauptet wird. Denn zu einer Optimierung gehört immer ein Ziel; bei einem Produkt beispielsweise die Leistung, die Flexibilität oder die Ergonomie.

Dagegen haben die drei Ansätze zur Ideenfindung, die wir in unseren Ideen- und Innovationsworkshops einsetzen, diese Eigenschaft. Darum ist die Osborn-Checkliste eine Kreativitätstechnik, die wir – trotz ihres hohen Bekanntheitsgrades – in unseren Workshops nicht einsetzen.

Eine Verbesserung der Osborn-Checkliste

Wir können diesen zweiten Nachteil der Methode beseitigen, indem wir die Osborn-Checkliste zu einer Suchfeldmatrix ausbauen. Die Suchfeldmatrix besteht aus zwei Checklisten, und es sind Kombinationen aus Elementen beider Checklisten, die die Inspiration für neue Ideen liefern.

osborn checkliste suchfeldmatrix

Die erste Dimension der Suchfeldmatrix ist die Osborn-Checkliste, und die zweite besteht aus dem Ziel der Ideenfindung. Bei einer Aufgabe in der Produktentwicklung könnte dieses Ziel zum Beispiel die PERFECT-Liste sein. Jede Zelle in der Matrix stellt eine Kombination aus einer Zeile und einer Spalte dar und liefert eine Anregung, die sowohl einen Handlungsvorschlag als auch ein gewünschtes Ergebnis enthält. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Kombination zu einer guten Idee führt, ist viel höher, als mit der Osborn-Liste allein.

In diesem Beispiel sind die Spalten der Suchfeldmatrix mit den Osborn-Vorschlägen belegt, und die Reihen enthalten typische Ziele der Produktentwicklung. Im Ideenworkshop stellt der Moderator Anregungen durch Kombinieren zweier Überschriften her, zum Beispiel:

  • Was könnten wir verändern, um das Produkt nachhaltiger zu machen?
  • Was könnten wir ersetzen, um die Kosten des Produktes zu senken?
  • Was könnten wir neu anordnen, um die Herstellung des Produktes zu vereinfachen?

Für die Ingenieure, die das Produkt kennen, können derartige Anregungen sehr hilfreich sein.

Der Moderator könnte die Methode nochmal verstärken, indem er Komponenten oder Funktionen des Produktes in die Anregungen integriert, zum Beispiel:

  • Was könnten wir am Gehäuse verändern, um das Produkt nachhaltiger zu machen?
  • Was könnten wir in der Mechanik ersetzen, um die Kosten des Produktes zu senken?

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Zuletzt aktualisiert am 3. Juni 2024 von Graham Horton

 


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