Der Perspektivwechsel

Der Perspektivwechsel 4.64/5, 11 votes

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Ein guter Perspektivwechsel ist der Schlüssel zu einer effektiven Ideengenerierung. Beim Perspektivwechsel ändert man seinen Blick auf die Problemstellung und betrachtet sie zunächst aus einer völlig neuen Richtung. Diese neue Perspektive liefert dann Anregungen zur Lösung der Aufgabe, die man sonst nicht, oder nur nach langem Suchen hätte finden können.

Das klassische Brainstorming (sowie viele andere veröffentlichte Kreativitätstechniken) verwendet keinen Perspektivwechsel. Vielmehr wird der direkte Weg zur Lösung versucht. In einem typischen Brainstorming-Sitzung nennt der Moderator einfach die Aufgabe und wartet am Flipchart auf die Eingebungen seiner Gruppe. Wer an solchen Sitzungen teilgenommen hat, weiß, dass sie selten funktionieren: es werden zunächst nur Geisterideen oder banale Ideen genannt, und nach einer kurzen Weile fällt niemandem mehr etwas ein. Außer allgemeiner Frustration wird kein Ergebnis erzielt.

Die Erklärung für dieses Phänomen ist einfach: im eigenen Kopf findet man zunächst nur Ideen, die vorher schon da waren. Um neue Einsichten zu erhalten, braucht es Anregungen von Außen. Für anspruchsvolle Aufgaben sind ungewöhnliche oder radikale Ideen zur Lösung erforderlich. Hier wird man schnell zur Geisel seiner eigenen Betriebsblindheit, denn es fällt schwer, die Dinge anders zu sehen, als man sie gewöhnt ist.

Nicht nur das klassische Brainstorming versucht, ohne Perspektivwechsel auszukommen. Viele weit verbreitete Techniken tun dies ebenso. Hierzu gehören Brainwriting, die Galerietechnik, die 6-3-5-Technik und das Brainwriting-Pool. Keine dieser Methode bietet dem Anwender irgend eine Hilfestellung an – die kreative Leistung müssen die Teilnehmer komplett alleine leisten. Von den 101 beschriebenen Kreativitätstechniken in VanGundys Buch 101 Activities for Teaching Creativity and Problem Solving sind etwa die Hälfte ohne Perspektivwechsel!

Das Diagramm zeigt den prinzipiellen Aufbau einer Ideenproduktionstechnik mit Perspektivwechsel. In einem ersten Schritt wird die neue Perspektive hergestellt, und in einem zweiten Schritt wird versucht, von hier aus Lösungsideen zu entwickeln.

Zur Herstellung der neuen Perspektive gibt es verschiedene Methoden. Im einfachsten Fall besteht ein Perspektivwechsel lediglich aus einem zufälligen Wort oder Bild:

Papagei

Astronaut

Tomatensuppe

Diese Konzepte sollen neue Anregungen liefern. Diese so genannte Zufallstechnik ist eine schwache (aber erstaunlich weit verbreitete) Kreativitätstechnik.

Ein kleines Stück wirksamer sind Perspektivwechsel der Form:

Wie würde IBM mein Problem lösen?

Was würde ein Vier-Sterne-General mir empfehlen?

Was wurde ein Nobelpreisträger an meiner Stelle tun?

Eine wesentlich wirksamere Methode zur Gewinnung von neuen Perspektiven ist die Analogietechnik. Hier betrachtet man seine Aufgabe einfach aus der Perspektive einer ähnlichen Person oder Organisation. Um die eigene Betriebsblindheit zu überwinden verwendet man die Provokationstechnik.

In der Praxis haben wir es mit wichtigen und komplexen Aufgaben zu tun: ein Kunde sucht Ideen beispielsweise für neue Produkte, Anwendungen oder Geschäftsmodelle. Hier reichen die einfachen Perspektivwechsel nicht mehr aus: es braucht anspruchsvollere Methoden, um die Experten von ihrer Betriebsblindheit zu befreien, damit sie auf gute Ideen kommen können.

Dies ist ein Teil der Kunst des Drehbuchautors: Perspektivwechsel zu entwickeln, die zum Auftraggeber und zu seiner Aufgabenstellung passen. Mit guten Perspektivwechseln erreicht man nämlich im Vergleich zu den generischen Techniken die zehnfache Erfolgsquote bei den Ideen: mit klassischem Brainstorming ist eine Idee in 100 wirklich gut; mit guten Perspektivwechseln beträgt die Quote 1 zu 10. Damit verkürzt sich die Dauer der Ideenfindung erheblich, die Teilnehmer sind frischer und besser gelaunt und die Kosten für die Ideenfindung sinken beträchtlich.

 

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