Startup-Ideen finden 2014
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startup-ideen finden

Jedes Wintersemester unterrichte ich den Kurs Innovation für Startups an der Universität Magdeburg. Jedes Studenten-Team, das daran teilnimmt, muss eine Geschäftsidee nach dem Lean-Startup-Ansatz entwickeln. Als Hilfestellung biete ich ein paar einfache Methoden an, mit denen man Internet-basierte Startup-Ideen finden kann.

Das Internet der Dinge

2014 ist das Jahr, in dem das sogenannte Internet der Dinge in greifbare Nähe gerückt ist. Das Internet der Dinge bezeichnet den Zustand, in dem viele gewöhnliche Geräte mit Sensor- und Computerfunktionen ausstattet werden und mit dem Internet verbunden sind. Davon verspricht man sich einen sprunghaften Fortschritt in ihren Möglichkeiten. Das bekannte Beispiel aus diesem Jahr ist das Unternehmen Nest, das einen Thermostat und einen Rauchmelder produziert, die mit dem Internet verbunden sind und dadurch viele neue Funktionen anbieten können. Nest wurde berühmt, weil es von Google für mehr als drei Milliarden Dollar gekauft wurde.

Es scheint klar zu sein, dass in den kommenden Jahren Geräte für das Internet der Dinge einen Schwerpunkt für Startups bilden werden. Schon jetzt entwickeln viele Startups Produkte mit dieser Technologie. Im Online-Forum Quora, das in Silicon Valley sehr beliebt ist, wurde neulich eine einfache Technik vorgestellt, mit der man im Internet der Dinge Startup-Ideen finden kann.

Im ersten Schritt schreibt man eine Liste der Objekte auf, mit denen wir im Alltag in Kontakt kommen, zum Beispiel:

  • Türklinke
  • Wasserhahn
  • Türklingel
  • Kaffeemaschine
  • Lampe
  • Bett
  • Mülleimer
  • Einkaufswagen
  • Parkuhr
  • Speisekarte
  • Waschmaschine
  • Kugelschreiber
  • Fahrrad
  • Dusche
  • Straßenschild
  • Fitness-Gerät

Im zweiten Schritt sucht man einfach Antworten auf die Fragen …

  • Was macht ein(e) intelligente(s/r) X?
  • Was kann ein(e) vernetzte(s/r) X?

oder im Englischen

  • What is a smart X?

wobei X durch die Einträge aus der Liste ersetzt wird, zum Beispiel

  • Was macht eine vernetzte Türklingel?
  • Was kann eine intelligente Parkuhr?
  • What is a smart shower?

Mit ein bisschen Fantasie kommt man mit dieser Methode sehr schnell auf viele Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen, und man erhält gleichzeitig einen Vorgeschmack auf Innovationen in unserer Lebensumgebung in den kommenden Jahren.

Was mir in diesem Augenblick fehlt

Eine einfache Methode besteht einfach darin, sich eine Stunde hinzusetzen und alles aufzuschreiben,

  • was einem gerade Sorgen oder Kopfzerbrechen macht,
  • was man für Aufgaben hat, die aber im Augenblick nicht erledigen werden können,
  • was einem für Informationen fehlen,
  • worauf man gerne Zugriff hätte.

Ich habe das neulich gemacht: einen Cappuccino im Espresso Kartell bestellt und alles aufgeschrieben, was mir eingefallen ist, bis das Getränk alle war. Ich bin schnell auf 33 Probleme gekommen, z.B.

  • Wie viele Kalorien sind in diesem Cappuccino enthalten?
  • Wo ist der nächste Geldautomat?
  • Würde sich ein Lebensmittel-Abo bei Amazon.de für mich lohnen?
  • Wo kann ich meine Armbanduhr reparieren lassen?
  • Was würde mir ein Arzt in diesem Augenblick empfehlen?
  • Ist meine internationale Hemdgröße 17 oder 17 1/2?
  • Hat der Kunde X schon die Rechnung bezahlt?
  • Wie kommt der Student Y mit seiner Arbeit voran?
  • Mein Auto muss zum TÜV.

Da fallen mir schnell Ideen für Apps bzw. Internet-basierte Dienstleistungen ein.

Zielgruppen-Funktionen

Bei der dieser Methode bildet man zunächst zwei Wortlisten. In diesem Fall beispielsweise Menschen oder Organisationen und App.-Umschreibungen. Das liefert z.B.

  • Manager
  • Verein
  • Fußballfan
  • Markt
  • Schwangere
  • Kunstliebhaber
  • Ruby on Rails-Hacker

sowie

  • Assistent
  • Begleiter
  • Helfer
  • Dienst
  • Werbemittel
  • Informationsgeber
  • Kommunikator

Im zweiten Schritt bildet man dann einfach zufällige Kombinationen. In diesem Fall liefert praktisch jede Kombination Ideen für eine App. bzw. einen Webdienst, z.B.

  • Studenten-Begleiter
  • Schwangeren-Ratgeber
  • Markt-Assistent
  • Aktivisten-Vernetzer
  • Freelancer-Werbemittel

Internet-Namen

Man kann auch einfach die Namensstruktur bekannter Internet-Produkte nutzen, um Startup-Ideen zu finden.

Was für Internet-Dienstleistungen wären in Analogie zu autoscout24.de …

  • muell24.de?
  • waesche24.de?
  • essen24.de?
  • hausmeister24.de?

Was wären in Analogie zu myTaxi.de …

  • myBuddy.de?
  • myDoctor.de?
  • myMemories.de?
  • myParty.de?

Was wären in Analogie zu runtastic.de …

  • learntastic.de?
  • sleeptastic.de?
  • traintastic.de?
  • nailtastic.de?

 

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Bildquelle: Nest