Alte Möbelstücke im Kopf

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Dee Hock, der Gründer des Kreditkartenunternehmens Visa, hat einmal über die Kreativität gesagt:

The problem is never how to get new, innovative thoughts into your mind, but how to get old ones out. Every mind is a building filled with archaic furniture. Clean out a corner of your mind and creativity will instantly fill it.

Unsere Köpfe sind voll mit Wissen, Regeln und Annahmen über die Welt, in der wir leben. Diese helfen uns zwar, Kompetenzen zu erwerben und im Alltag uns zurecht zu finden, doch stellen sie Hindernisse dar, wenn es darum geht, neue Ideen zu bekommen. Dieses wertvolle Wissen wird plötzlich zur Betriebsblindheit, die neue Gedanken verhindert und die Ablehnung fremder Ideen hervorruft.

Gute Ideenproduktionstechniken helfen, diese Betriebsblindheit zu überwinden, indem sie hilfreiche und unerwartete Perspektivwechsel vorschlagen. Besonders die provokativen Techniken sind dazu in der Lage, die „altertümlichen Möbelstücke“ in Kopf zu verdrängen.

Cross-Boundary Disruptions

andy grove

In the newest entry to his Innovation on Purpose blog, Jeffrey Phillips discusses an article in Portfolio magazine by former Intel CEO Andy Grove. There, he talks about what he calls Cross Boundary Disruptions. These are disruptive innovations introduced by large companies in new markets. The example quoted is Apple’s introduction of the iPod and iTunes online music store, which has severely disrupted the music business (and increased Apple’s profits from $57 million to about $2 billion in the process.)

As Grove points out, this is a different kind of disruption to that described by Christensen (for example in his book The Innovators Dilemma). For Christensen, disruptive innovations have a comparatively low functionality at a lower price. These might be called low-end disruptive innovations (LEDIs), to contrast with the large-scale, extra- functionality type of innovation such as iTunes (which might be referred to as a high-end disruptive innovation (HEDIs).)

FIRE – Ein hilfreiches Akronym für die Ideengenerierung

archer
Phil McKinney hat in seinem Blog das Akronym FIRE zur Beschreibung der vier ersten Schritte im Innovationsprozess vorgestellt. Diese Schritte nennt er

  1. Focus
  2. Ideation
  3. Rank
  4. Execute

Im ersten Schritt – Focus – wird die Aufgabenstellung definiert. Wofür genau werden Ideen gesucht? Welche Randbedingungen müssen sie erfüllen? Welchem Ziel sollen sie dienen? Werden inkrementelle, radikale oder disruptive Ideen benötigt? Die Bedeutung dieser Phase wird oft unterschätzt; allzu häufig werden einfach „irgendwelche“ Ideen gesucht. Je präziser die Aufgabenstellung, desto ergiebiger ist die Ideenproduktion.

In der zweiten Phase – Ideation – werden die (Roh-) Ideen produziert. Am besten natürlich mit Hilfe von maßgeschneiderten Ideenproduktionstechniken (was aber einen genauen Focus voraussetzt.)

Im dritten Schritt – Rank – werden die Rohideen an Hand diverser Kriterien bewertet, um die potentialreichsten unter ihnen zu identifizieren.

Schließlich geht es im vierten Schritt – Execute – darum, konkrete Maßnahmen zu benennen, damit die besten Ideen vorangetrieben werden können.

Innovation und Bildung – Eine Paralleldebatte

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George Chen und John Zapolski schreiben in ihrem Artikel The Seven Myths of Innovation über sieben gängige negative Meinungen zum Thema Innovation. Auch hierzulande begegnen wir von Zephram oft solchen Einstellungen, und ich musste schmunzeln als ich die sieben „Mythen“ las.

Drei der Mythen von Chen und Zapolski lauten

  • Mythos #3: Innovation ist risikoreich.
  • Mythos #5: Innovation ist teuer.
  • Mythos #6: Innovation lenkt nur von wichtigeren Dingen ab.

Diese Bedenken erinnerten mich sehr stark an frühere Debatten über die Notwendigkeit von Bildung. Da haben einige berühmte Menschen Aphorismen und Maxime zugunsten der Bildung ausgeprochen, zum Beispiel:

  • The only thing more expensive than education is ignorance.
    (Benjamin Franklin)
  • We believe […] that education is not an expense. We believe it is an investment.
    (Lyndon B. Johnson)
  • Education is the best provision for old age.
    (Aristoteles)
  • If you think education is expensive, try ignorance.
    (Sir Claus Moser)

Betriebsblindheit überwinden

keinebetriebsblindheit.jpgBetriebsblindheit ist eigentlich ein negatives Wort. Doch sie hat auch etwas Gutes an sich: Sie hilft, unsere Konzentration zu fokussieren, indem sie Wesentliches von Unwesentlichem trennt. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für ein effizientes Arbeiten. Sie entsteht als Konsequenz von angewandtem Expertenwissen, etablierten Prozessen und routinierten Arbeitsweisen.

Was ist aber, wenn Veränderungen, Optimierungen oder gar neue Ideen benötigt werden? In diesem Fall ist die Betriebsblindheit in der Tat hinderlich. Sie macht es den Menschen sehr schwer, sich von ihren gewohnten Gedanken und Annahmen zu trennen, die sie bisher nicht hinterfragt haben oder womöglich sogar nicht einmal mehr erkennen.

Ein berühmtes Beispiel für die Betriebsblindheit waren die Ingenieure um den Entrepreneur Henry Ford. Sie sollen behauptet haben, es sei unmöglich, einen Sechszylinder-Motor zu bauen – woraufhin Ford gesagt haben soll, „besorgt mir Leute, die noch nicht gelernt haben, was nicht geht!

Innovation: Nur ein Modewort?

 

Mode

Ende September veröffentlichte das Handelsblatt einen Bericht über die Auswirkungen des weltweiten Wettbewerbs. Dieser zwingt Unternehmen dazu, mit dem Markt Schritt zu halten und in immer kürzeren Zyklen neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. Das Handelsblatt beschreibt in einem Beispiel aus der Unterhaltungsindustrie die Situation:

Eine einfache Kurve verdeutlicht oft am besten, vor welchen Herausforderungen Unternehmen stehen: Sie zeigt den rasanten Preisverfall bei DVD-Spielern – Geräte, die Mitte bis Ende der 90er-Jahre als echte Innovation auf den Markt kamen. Anfang des Jahrtausends kostete ein DVD-Spieler rund 500 Euro. Zwei Jahre später war es nur noch die Hälfte. Wiederum zwei Jahre danach mussten Käufer nur noch zwischen 30 und 50 Euro für DVD-Spieler ausgeben.Ähnlich steil bergab fielen in dieser Zeit die Gewinne, die die Hersteller mit den Geräten erzielen konnten. Für Philips, Sony und Co. galt es, möglichst schnell die nächsten Innovationen auf den Markt zu bringen: DVD-Rekorder etwa. Doch auch dort ist der Preisverfall nun rasant.

Die Zukunftskonferenz 2007

Zukunftskonferenz 2007

Am 20.11.2007 besuchte ich die Zukunftskonferenz 2007 der Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland.

Spannend war diese Konferenz, weil sie sich mit dem Thema „Standortfaktor Kreativität – Mitteldeutschland im internationalen Wettbewerb“ beschäftigte. Denn der Veranstalter sieht Kreativität als einen wichtigen Erfolgsfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung Mitteldeutschlands an. Die Zukunftskonferenz berichtete:

[…] Darüber hinaus stellt eine heute veröffentlichte Studie der Handelshochschule Leipzig fest, dass Kreativität als Wertschöpfungsfaktor in Unternehmen bisher nicht hinreichend erkannt wird. Nur jeder vierte Mitteldeutsche meint, dass seine Kreativität am Arbeitsplatz besonders gefordert wird. Hier besteht Handlungsbedarf für die Unternehmen. […]

Unser Fazit: Mitteldeutschland hat viele kreative Köpfe. Wir müssen dieses Potential nutzen!

Das Offensichtliche sehen

das offensichtliche sehen

Roger van Oech stellt in seinem Blog die Frage, wie sieht man das Offensichtliche? Da dieses Thema mich im Kontext der Ideenproduktion durch Provokation sehr interessiert, habe ich dort geantwortet. Ich gebe hier meinen (übersetzten) Kommentar wieder, zusammen mit einem Nachtrag.

Ich glaube, dass die Fähigkeit, das Offensichtliche zu sehen zu den wichtigsten gehört beim Kreativen Denken (die andere ist die Fähigkeit schnell zahlreiche Assoziationen zu bilden.)

Hier sind zwei Methoden, die wir in unseren Ideenfabriken einsetzen (und die ich Studenten beibringe):

1) Kindertag. Im Büro ist heute Kindertag: Die Kinder der Mitarbeiter kommen zu den Arbeitsplätzen ihrer Eltern und stellen Fragen. Erklären Sie den Kindern, was Sie tun und wie alles hier funktioniert. Ermutigen Sie die Kinder, die Frage „warum?“ zu stellen. Sie werden feststellen, dass Sie dadurch viele grundlegende „Tatsachen“ und Annahmen über Ihre Arbeit (wieder) entdecken.

Wortpatenschaft: Ideenfabrik

Wortpatenschaft: Ideenfabrik

Der Verein Deutsche Sprache e.V. hat eine originelle Idee im Internet verwirklicht. Auf der Website http://www.wortpatenschaft.de/ kann man gegen eine Spende die Patenschaft für ein deutsches Wort seiner Wahl übernehmen. Mit der Spende wird die Vereinsarbeit unterstützt. Diese Idee hat uns auf Anhieb gefallen, und wir haben spontan die Patenschaft für das Wort „Ideenfabrik“ übernommen.

Wortpaten sind dazu aufgefordert, „sich um das Wort zu kümmern, es oft zu benutzen und es vor Missbrauch und Verdrängung zu schützen.“ Lieber Verein Deutscher Sprache, das werden wir tun!

Das etwas andere Orakel

roger von oech

Roger von Oech, Autor des Buches „A Whack on the Side of the Head“, schreibt einen Blog „Creative Think“ mit vielen interessanten Einsichten und Anregungen über Kreativität.

In seinem Beitrag „Use A Random Idea As An Oracle“ beschreibt er eine Inszenierung der Zufallstechnik, die er „Orakel“ nennt. Das habe ich zum Anlass genommen, in einem Kommentar über eine Übung zum Trainieren des Kreativen Denkens zu schreiben:

Stellen wir uns ein Orakel vor, das seine Fähigkeit zur Vorhersage verloren hat. Jedes Mal, wo jemand es um eine Inspiration bittet, antwortet es nur noch „Papagei“. Der Ratsuchende muss dann so lang über diese Antwort nachdenken, bis er darin eine Antwort auf seine Frage entdeckt.

Im Idea Engineering-Unterricht an der Universität erkläre ich folgende Trainingsmethode für das Kreative Denken: