Lehmschicht oder Höhlenmensch?
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caveman lehmschicht
Die Lehmschicht

Die „Lehmschicht“ ist eines der häufigsten chronischen Probleme für größere Organisationen, die Innovation betreiben möchten.

Die Lehmschicht sind die Manager der mittleren und niederen Stufen, die zwischen der Geschäftsführung und der „Mannschaft“ stehen. Diese Manager arbeiten nicht nutzenbringend, zum Beispiel beim Kunden oder in der Produktion oder der Entwicklung. Sie haben aber andererseits auch nicht die Seniorität, um das Gesamtwohl ihrer Organisation im Blick zu haben.

Einen Manager, der zur Lehmschicht gehört, erkennt man daran, dass er …

  • die Ziele der Geschäftsleitung entweder gar nicht oder in verfälschter Form an seine Mitarbeiter weitergibt,
  • Ideen und Initiativen seines Teams blockiert und nicht nach oben oder nach außen weitergibt,
  • keine stichhaltigen Argumente für sein Verhalten hat, sondern nur autoritäre Sprüche („Weil ich es so will“) und Killerphrasen („Das würde niemals funktionieren“) anzubieten hat.

Diese Manager werden „Lehmschicht“ genannt, weil sie wie eine Lehmschicht im Boden verhindern, dass das Grundwasser auf- oder abwärts fließen kann.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für, dass ein Manager in der Lehmschicht sich gegen Ideen und Initiativen stellt:

  • Er fühlt sich durch proaktive Kollegen bedroht, die kompetenter sind, als er selbst.
  • Er scheut das Risiko.
  • Er will Mehrarbeit und Entscheidungen jenseits seiner Komfortzone vermeiden.
  • Ihm fehlt das „unternehmerische Gen“.
  • Er sieht seine Aufgabe in der Organisation lediglich darin, Bestehendes aufrecht zu erhalten.
  • Er kennt nur einen altmodischen, konservativen Führungsstil.

Der Höhlenmensch

Paul Sloane beschreibt in seinem Blog destination innovation eine englischsprachige Variante der Lehmschicht: den Caveman (Höhlenmensch). Dabei bilden die Buchstaben CAVE das Akronym Colleague Against Virtually Everything (Kollege, der gegen fast alles ist). Der Höhlenmensch entspricht genau dem Lähmschicht-Manager, der Experimentation und Innovation zu verhindern versucht.

Sloane zitiert als Beispiel den berühmten Fall des amerikanischen Hochspringers Dick Fosbury. Fosbury hat einen neuen Sprungstil eingeführt, der es den Athleten ermöglichte, höher zu springen als mit den bisherigen Techniken. Weil aber der neue Sprung so ungewöhnlich aussah, stieß Fosbury jahrelang nur auf Widerstand – auch vom Trainer seines Olympia-Teams. Bei seinem ersten Auftritt bei den olympischen Spielen 1968 gewann er mit seiner Technik die Goldmedaille und stellte einen neuen Weltrekord auf. Inzwischen verwenden alle Hochspringer seine Methode.

Fazit: Die Lehmschicht ist auch eine Lähmschicht

Die Lehmschicht ist aus mehreren Gründen für eine Organisation schädlich:

  • Die Geschäftsleitung lernt die innovativen Mitarbeiter und ihre Ideen nie kennen.
  • Die Organisation verpasst Gelegenheiten und bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück.
  • Das Betriebsklima wird zerstört.

Nicht von ungefähr wird die Lehmschicht auch oft als Lähmschicht bezeichnet.

Auftraggeber aus eher konservativen Organisationen bestätigen uns immer wieder, dass das schwierigste an einem Innovationsprojekt darin besteht, für die besten Ideen eine faire Anhörung bei einem Verantwortungsträger zu bekommen. Gelingt dies nicht, geht die Investition von Zeit und Geld in die Ideenentwicklung natürlich verloren.

Auf der anderen Seite machen uns die Kundenprojekte um so mehr Spaß, wenn der Produkt- oder Innovationsmanager aufgeschlossen ist und in seinem Team ein vertrauensvoller und optimistischer Umgang herrscht. Dann gelingt die Ideenfindung besser – nicht zuletzt, weil alle Beteiligten wissen, dass ihr Einsatz eine entsprechende Anerkennung und ihre Ergebnisse die notwendige Aufmerksamkeit finden werden.