Startup-Ideen finden 2014

startup-ideen finden

Jedes Wintersemester unterrichte ich den Kurs Innovation für Startups an der Universität Magdeburg. Jedes Studenten-Team, das daran teilnimmt, muss eine Geschäftsidee nach dem Lean-Startup-Ansatz entwickeln. Als Hilfestellung biete ich ein paar einfache Methoden an, mit denen man Internet-basierte Startup-Ideen finden kann.

Das Internet der Dinge

2014 ist das Jahr, in dem das sogenannte Internet der Dinge in greifbare Nähe gerückt ist. Das Internet der Dinge bezeichnet den Zustand, in dem viele gewöhnliche Geräte mit Sensor- und Computerfunktionen ausstattet werden und mit dem Internet verbunden sind. Davon verspricht man sich einen sprunghaften Fortschritt in ihren Möglichkeiten. Das bekannte Beispiel aus diesem Jahr ist das Unternehmen Nest, das einen Thermostat und einen Rauchmelder produziert, die mit dem Internet verbunden sind und dadurch viele neue Funktionen anbieten können. Nest wurde berühmt, weil es von Google für mehr als drei Milliarden Dollar gekauft wurde.

Die Telekom rät zum schnellen Scheitern

hoettges

In einem Artikel in der Gründerszene wird der neue Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges zum Thema Startups zitiert. Dabei nennt er fünf Kriterien, die Startups erfüllen müssen, um für eine Investition der Telekom in Frage zu kommen. Dazu gehören zwei, die zum Kanon jedes Startups gehören:

  • Fail fast (Scheitere schnell). Das vollständige Motto lautet: „Fail fast, fail cheap“. Ein Startup muss sehr viel über seinen Markt und seine Kunden lernen. Dazu macht es Experimente, die zwangsläufig oft scheitern werden. (Dabei scheitern sie eigentlich gar nicht, denn aus jedem Experiment kann man etwas Nützliches lernen – vorausgesetzt, es wurde richtig aufgestellt.) Je schneller und billger das Startup durch „gescheiterte“ Experimente lernt, desto früher kann es anfangen, Geld zu verdienen und zu wachsen.

Wie viel ist ein Startup wert?

Guy Kawasaki

Guy Kawasaki ist ein bekannter kalifornischer Startup-Berater und Venture Capital-Investor. Er behauptet, man kann den Wert eines Startups vor der ersten Finanzierungsrunde mit der folgenden Formel berechnen:

Wert = Anzahl Ingenieure * 500.000$ – Anzahl Betriebswirte * 250.000$

Was er damit sagen will: In der ersten Phase eines Startups gibt es keine notwendige Rolle für einen Betriebswirt (im Original: einen MBA). Das mag später anders sein, wenn Startup reifer geworden ist, aber um Prototypen zu entwickeln, Geschäftsmodell und Business Plan zu erstellen und die erste Finanzierungsrunde zu sichern braucht es nur Produktive (Ingenieure, Programmierer, Designer) und natürlich die Gründer selbst.

Bildquelle: Wikipedia

Experimentieren geht über spekulieren

Denke nicht, sondern führe das Experiment durch! Dies war das Motto des englischen Arztes und Wissenschaftlers John Hunter (1728- 1793). Hunter hat viele Krankheiten studiert und systematisches Experimentieren als methodische Grundlage der Medizinwissenschaft betont.

Edward Jenner, ein Kollege von Hunter, hatte beobachtet, dass Milchmädchen, die Kühen mit Kuhpocken gemolken hatten, nicht an Pocken erkrankten. Jenner spekulierte, dass der Kontakt mit dem Kuhpocken die Mädchen gegen Pocken immun gemacht hatte. Daraufhin hat Hunter mit seinem inzwischen berühmten Spruch  geantwortet, Denke nicht, sondern führe das Experiment durch! Anstatt über seine Hypothese zu spekulieren, sollte Jenner sie durch einen Versuch testen. (Die Hypothese hat sich als wahr herausgestellt, und Jenner konnte damit eine Impfung gegen die Pocken entwickeln. 1840 wurden Impfungen in Großbritannien für jeden kostenlos erhältlich, und 1979 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Krankheit für ausgestorben.)

Eine naheliegende Partnerschaft

Existierende Unternehmen – vor allem wenn sie groß sind – tun sich oft schwer mit der Einführung von neuen Produkten außerhalb ihres gewohnten Geschäftsgebietes. Viele Faktoren wirken der Innovation entgegen: Bürokratie, Politik, und ein fehlendes Anreizsystem sind wahrscheinlich die schlimmsten. Anderseits verfügen erfolgreiche, etablierte Unternehmen über wichtige Ressourcen, z.B. eine starke Marke, Geld und Experten für Recht, Finanzen, Marketing u.v.m.

Ein Startup befindet sich dagegen in genau der umgekehrten Situation: es verfügt einerseits kaum über Ressourcen, dafür ist seine Innovationsfähigkeit enorm hoch, denn es ist frei von all den hinderlichen Faktoren, die ein etabliertes Unternehmen belasten.

Es scheint also eine naheliegende Strategie zu geben, nämlich dass existierende Unternehmen die Einführung neuer Produkte in die Hände von Startups geben. Sie unterstützen die Startups mit Startkapital und anderen Ressourcen, lassen aber ihre innovationsfeindliche Kultur zurück. Von einer solchen Lösung profitieren beide Parteien: das etablierte Unternehmen kommt schnell und günstig zum neuen Produkt, und das Startup erhält Unterstützung auf wichtigen Gebieten, die ihm fehlen.

Geschäftsmodell bewerten mit der KERNWEG-Checkliste

checkliste geschäftsmodell bewerten

Das Geschäftsmodell ist die Blaupause für ein Startup oder einen neuen Geschäftsbereich in einem existierenden Unternehmen. Die Qualität des Modells ist daher entscheidend für den unternehmerischen Erfolg. Aus diesem Grund werden Geschäftsmodelle vorzugsweise in einem strukturierten Entdeckungsprozess wie der Discovery-Driven Innovation entwickelt und validiert.

Aber was macht ein gutes Geschäftsmodell aus? Für uns muss ein Geschäftsmodell sieben Kriterien erfüllen, um eine gute Grundlage für ein neues Business zu sein. Diese sieben Kriterien kann man sich leicht mit dem Akronym KERNWEG merken:

  • Konkurrenzfähig. Es ist für unsere Konkurrenten schwierig, Marktanteile zu gewinnen. Beispiele: Starke Markenpräsenz, entscheidende Alleinstellungsmerkmale, einmaliges Werteversprechen.
  • Effizient. Führt das Geschäftsmodell alle notwendigen Funktionen mit dem geringstmöglichen Aufwand aus? Beispiel: Eine Aktivität nicht selbst durchführen, sondern von einem Partner einkaufen (Outsourcing).
  • Robust. Gibt es potentielle Entwicklungen, die das Geschäftsmodell gefährden? Beispiel: Die Regierung beendet ein Subventionsprogramm, von dem das Geschäftsmodell abhängt.