Attribute als Trittsteine zu neuen Ideen
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Einen Schlüssel zum wirkungsvollen Einsatz vieler Ideenproduktiontechniken bilden die so genannten Attribute. Ein Attribut ist eine Eigenschaft oder ein Merkmal einer Sache. Attribute sind deswegen für die Ideenproduktion wichtig, weil sie Trittsteine hin zu nützlichen Perspektivwechseln sein können.

Attribute eines Fußballs sind beispielsweise:

  • Er wird beim Sport eingesetzt.
  • Er ist hohl.
  • Er schwimmt im Wasser.
  • Er eignet sich nicht als Briefbeschwerer.

Attribute können sehr unterschiedlich sein – sie haben ihrerseits Attribute, mit denen man sie klassifizieren kann, z.B.

  • konservative bzw. gewagte Attribute
  • naheliegende bzw. weit hergeholte Attribute
  • allgemeine bzw. spezifische Attribute

Durch die Wahl geeigneter Attribute als Bestandteil der Ideenproduktionstechniken können die Merkmale der erzeugten Ideen gesteuert werden. Die Wahl von Attributen hängt auch vom Auftrag und vom Auftraggeber ab. So sollte man bei einem konservativen Auftraggeber mit gewagten oder provokativen Attributen vorsichtig sein, weil diese ihn schnell überfordern können. Es gehört zur Kunst des Drehbuchautors, passende Attribute für die gegebene Aufgabenstellung zu wählen.

Bei der Analogietechnik sind es die Attribute der Aufgabenstellung, die uns zu Analogien führen. Die erste Klasse der Deutschen Bahn hat beispielsweise die Attribute

  • ist eine hochpreisige Dienstleistung für Geschäftsleute
  • ist ein Transportunternehmen

Diese Attribute führen unter anderem zu den Analogien

  • Ein Fünf-Sterne-Hotel
  • Eine Fluglinie

Nun fällt es leicht, Ideen für die erste Klasse der Bahn zu finden, indem man einfach schaut, welche Dienstleistungen diese Analogien ihren Erste-Klasse-Kunden bereits anbieten oder naheliegenderweise anbieten könnten.

Als Beispiel für die unterschiedlichen Arten von Attributen betrachten wir eine Schneiderin:

  1. Ein konservatives und allgemeines Attribut: Sie hat Geschäftsräume.
  2. Ein naheliegendes Attribut: Sie hat mit Textilien zu tun.
  3. Ein weit hergeholtes Attribut: Sie benötigt keinen Baukran.
  4. Ein spezifisches Attribut: Sie berührt ihre Kunden bei der Arbeit.

Bei der Analogietechnik würde Attribut #1 (Sie hat Geschäftsräume) breit gestreute, wenig verwandte Analogien liefern wie beispielsweise Rechtsanwalt, Bürgermeister, oder Obsthändler. Entsprechend breit gestreut werden auch die Ideen sein, die daraus entstehen. Das naheliegende Attribut (Sie hat mit Textilien zu tun) ist wahrscheinlich wenig ergiebig, auf jeden Fall wenig überraschend. Attribut #3 (Sie benötigt keinen Baukran) ist praktisch gleichbedeutend mit der Zufallstechnik, weil dieses Attribut für fast jeden zutrifft. Attribut #4 (Sie berührt ihre Kunden bei der Arbeit) ist am interessantesten, weil dies ein sehr charakteristisches aber gleichzeitig unerwartetes Attribut einer Schneiderin ist. Mögliche Analogien, zu denen es führt, sind Friseur, Physiotherapeut und Krankenpfleger. Derartige Attribute ergeben meistens die besten Ideen.

Für den Einsatz in der Praxis gibt es Methoden zur systematischen Erfassung der Attribute einer Aufgabenstellung. Dies ist wichtig, um eine möglichst reichhaltige Menge von Ideen produzieren zu können. Eine solche Methode ist die „8P-Liste„.

Und so sieht eine einfache Anwendung von Attributen in der Praxis aus:

  1. Welches Attribut charakterisiert Ihr Unternehmen am besten? Wählen Sie eines, das spezifisch ist, aber nicht auf der Hand liegt.
  2. Wer sonst hat dieses Attribut?
  3. Welche Ideen oder Lösungen könnten Sie von ihm/ihr übernehmen?

 

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