Kompaktwissen Ideenfindung

Kompaktwissen Ideenfindung
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Ideenfindung und Innovation

Ideenfindung (oder Ideengenerierung, Ideenproduktion) ist die gezielte Entwicklung von Ideen zur Lösung einer bestimmten Aufgabe. Sie ist ein wichtiges Werkzeug im Innovationsprozess: Zu den wichtigsten Ideenfindungsaufgaben zählen neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle sowie Prozessverbesserungen.

Gruppen und Workshops

Ideenfindung findet oft in einer Gruppe statt – moderierte Ideenworkshops sind ein fester Bestandteil des Innovationsprozesses. Die Techniken zur Ideenfindung sind zwar alle auch für Einzelpersonen anwendbar, aber die Vielfalt der Kenntnisse und Erfahrung einer Gruppe hat einen erheblichen Mehrwert. Oft entstehen die besten Ideen durch die Kombination von Beiträgen von zwei verschiedenen Menschen.

Fünf Phasen der Ideenfindung

Es gibt verschiedene Ansätze zur Ideenfindung, die man einzeln oder in Kombination verwenden kann. Diese nennen wir Acclimatize, Prime, Stimulate, Combine and Enhance, die zusammen die fünf Phasen der Ideengenerierung ergeben.

Perspektivwechsel – Der Schlüssel zur Ideengenerierung

Die älteste Methode zur Ideenfindung ist das klassische Brainstorming. Das Brainstorming ist auch heute weit verbreitet, obwohl es zur Generierung von Ideen schlecht geeignet ist; Außer bei einer sehr kreativen bzw. erfahrenen Gruppe bringt das Brainstorming in der Regel nur Ideen hervor, die den Teilnehmern vorher schon bekannt waren.

Viel besser ist es, einen Perspektivwechsel zu machen. Der Perspektivwechsel erlaubt es der Gruppe, die Aufgabe aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, was die Inspiration zu neuen Ideen fördert. Es gibt im Grunde nur drei Arten von Perspektivwechsel – wir nennen sie Pump, Jump und Dump.

Methoden zur Ideenfindung, die keinen oder nur einen schwachen Perspektivwechsel haben, setzen wir nicht ein.

Brainstorming

Das Brainstorming dürfte fast jedem bekannt sein: Die ganze Gruppe sitzt zusammen, die Teilnehmer rufen ihre Ideen aus, und der Moderator erfasst die Ideen auf einem Flipchart oder einer Kärtchenwand. Die Methode wurde zuerst 1953 von Alex Osborn beschrieben; Seine Vorstellung dabei war, dass die Teilnehmer die Aufgabe „erstürmen“.

Meistens sind die Ergebnisse eines Brainstormings enttäuschend; Es kommen selten wirklich überraschende Ideen dabei heraus. Dafür gibt es gute Gründe.

Zunächst enthält das Brainstorming (wie andere beliebte Methoden auch) keinen Perspektivwechsel. Den Workshop-Teilnehmern werden keine Anregungen angeboten, mit deren Hilfe sie auf neue Ideen kommen könnten. So bleibt es der Kreativität jedes Einzelnen und dem Zufall überlassen, ob gute Ideen entstehen oder nicht. On der Regel kommen bei einem Brainstorming nur Ideen heraus, die die Teilnehmer schon im Kopf hatten, bevor sie den Raum betreten haben.

Die anderen Gründe, die gegen das Brainstorming sprechen, stammen aus der Psychologie. Die drei wichtigsten sind die Angst, kritisiert zu werden, die Blockierung auf Grund des Formates und das Trittbrettfahren. Diese drei Gründe nennen wir Ideenverhinderer.

Unserer Meinung nach sollte das Brainstorming für die Kern-Ideenfindung nicht verwendet werden. Wofür es sich eignen kann, ist die letzte Phase der Ideenproduktion, in der alle Teilnehmer die Ideen anderer kombinieren und ergänzen dürfen.

Attribute – Die Voraussetzung für viele Perspektivwechsel

Fast alle Methoden der Ideenfindung benötigen Eigenschaften der Aufgabenstellung (Attribute genannt). Die Attribute liefern Startpunkte, von denen aus der Perspektivwechsel gebildet wird.

Ein allgemeiner Ansatz zur Gewinnung von Attributen ist die sogenannte 8P-Technik. Darüber hinaus hat jede Aufgabenstellung eigene, spezifische Attribute, die meistens ergiebiger sind, als die allgemeinen Eigenschaften.

Kreative Fähigkeiten

Der Vorteil von guten Perspektivwechseln ist, dass sie dem Menschen die Arbeit erleichtern – sie müssen nicht „kreativ“ sein, um Ideen generieren zu können. Dennoch gibt es Fähigkeiten, die den Umgang mit den Ideenfindungsmethoden erleichtern.

Zunächst ist es hilfreich, das Offensichtliche sehen zu können. Ein Hindernis für die Ideenfindung ist, dass wir Bekanntes nicht mehr wahrnehmen und es somit nicht mehr ändern können. Wer das Alltägliche bewusst wahrnimmt, kann es sich auch anders vorstellen.

Viele Perspektivwechsel enthalten die Übertragung von Attributen einer fremden Sache auf die eigentliche Aufgabenstellung. Dazu ist es notwendig, diese Attribute schnell zu erkennen und sie sinngemäß anwenden zu können. Diese Fähigkeiten kann man mit der Bleistift-Übung und dem Erdbeerjoghurt-Test trainieren.

Die Provokationstechnik eignet sich ebenfalls als Übung für das Kreative Denken; viel Spaß macht zum Beispiel die Erfindung eines neuen Kartenspiels.

Methoden zur Ideenfindung

Es gibt für die Ideenfindung eine Vielzahl von Techniken, die helfen, Ideen leichter, schneller und besser zu generieren. Diese Methoden werden oft Kreativitätstechniken genannt.

Die Analogietechnik

Die Analogietechnik ist eine der vielseitigsten und zuverlässigsten Methoden zur Ideenfindung. Ihr Perspektivwechsel besteht darin, (mehr oder weniger) ähnliche Situationen oder Personen zu wählen, um dann deren (imaginäre oder tatsächliche) Lösung auf die eigene Aufgabe zu übertragen. Die Lufthansa ist eine Analogie zur Deutschen Bahn, weil beide Unternehmen Menschen transportieren. Aus diesem Grund sind Lösungen aus dem einen Bereich für den anderen Bereich plausibel.

Analogien können über Attribute gefunden werden, wobei es durchaus eine Kunst ist, gute Analogien zu finden.

Eine stärkere Form der Methode verwendet Zielanalogien. Hier werden Personen oder Organisationen verwendet, die die Aufgabe bereits gelöst haben. Die Bionik gehört zu der Kategorie der Zielanalogien.

Die Analogietechnik ist sehr nützlich bei Business-Aufgaben. Es ist zum Beispiel möglich, Geschäftsideen mit Analogien zu finden. Man kann auch Ideen für Produktivitätssteigerungen und Ideen für Produktverbesserungen mit der Methode  entwickeln.

Die Zufallstechnik

Die Zufallstechnik ist eine einfache und beliebte Ideenfindungstechnik. Sie verwendet zufällige Anregungen, um Ideen zu inspirieren. Sie eignet sich allerdings nur für einfache und sehr offene Aufgaben. Eine nützliche Inszenierung der Zufallsmethode nennen wir die „Mr. X-Technik„, für die wir eine Liste mit 100 Mr. X-Beispielen vorbereitet haben.

Die Provokationstechnik

Die Provokationstechnik beruht darauf, die bekannte Wirklichkeit gezielt in Frage zu stellen, um so auf neue Ideen zu kommen. Sie ist die anspruchsvollste Art von Perspektivwechsel in der Ideenfindung, liefert aber dafür (im Erfolgsfall) überdurchschnittlich innovative Ideen. Beispiele für Provokationen sind: Alle Polizisten heißen Stefanie oder Die Kunden verkaufen an die Lieferanten.

Eine besondere Variante der Provokation ist die Kopfstandtechnik. Hier entwickelt man Lösungen für das Gegenteil der eigentlichen Aufgabe, in der Hoffnung, dass die Umkehrung dieser „Anti-Lösungen“ brauchbare Ansätze sind. Wir haben einen Kopfstand benutzt, um den Namen unserer Firma zu finden.

Zum Trainieren der Provokation kann man die Aufgabe üben, Ideen für neue Kartenspiele zu entwickeln. Beispiele für Provokationen sind: Mein Mitspieler wählt die Karte, die ich als nächste ausspiele oder Die Spielregeln sind für jeden Mitspieler anders.

Die Provokationstechnik eignet sich gut, um Ideen für Science Fiction- oder Fantasiegeschichten zu finden. Dazu nimmt man beliebige Selbstverständlichkeiten und verfälscht sie, zum Beispiel: Es gibt drei Geschlechter oder Man kann Geld gegen Lebensdauer tauschen.

Als Beispiele für Provokationen dienen 15 Business-Provokationen, eine Provokation aus der Design-Hochschule, eine Armbanduhr sowie „Anti-Graffiti„.

Die Semantische Intuition

Die Semantische Intuition ist eine Ideenfindungsmethode, die künstlich erzeugte, aufgabenbezogene Wörter nutzt, um Ideen anzuregen. Die Ideen werden generiert, indem das Gehirn intuitiv den neuen Wörtern eine Bedeutung (Semantik) zuordnet. Diese Interpretation kann dann die Inspiration für eine Idee sein. Beispielsweise fällt den meisten Menschen sofort zum Wort Qualitätsampel etwas ein, auch wenn sie das Wort noch nie zuvor gesehen haben.

Die Semantische Intuition eignet sich auch als Kreativitätsübung für Kinder, weil sie mit einfachen Wörtern befüllt werden kann  und die Fantasie anregt.

Checklisten

Checklisten enthalten einfach eine Reihe von Stichworten, die als Anregungen für die Ideenfindung dienen. Diese Anregungen können entweder Perspektivwechsel oder direkte Handlungsvorschläge sein. Man kann für jede Aufgabenstellung eine spezielle Checkliste mit spezifischen Stichworten erstellen. Dies ist bei komplexen Aufgaben besonders wichtig.

Checklisten können entweder einzeln oder in Form von Matrixtechniken in Kombination verwendet werden.

Das älteste und bekannteste Beispiel ist die Osborn-Checkliste aus dem Jahr 1953. Sie enthält Vorschläge zur Veränderung einer bereits vorliegenden Idee. Daraus ist später die SCAMPER-Checkliste entstanden.

Weitere Beispiele für Checklisten für spezifische Aufgaben sind:

Matrixtechniken

Matrixtechniken kombinieren zwei Checklisten, um bessere Anregungen zu erhalten. Sie sind zwar etwas anspruchsvoller als einfache Checklisten, sind aber dafür wesentlich ergiebiger.

Matrizen werden erstellt, indem die Checklisteneinträge als Spalten- und Zeilenüberschriften einer Tabelle verwendet werden. Jede Zelle der Tabelle bildet dann eine Anregung für die Ideenfindung. Ein Beispiel für die Matrixtechnik ist die Attribute-Value-Matrix in der Produktinnovation. Die Buyer Utility Map aus der Blue Ocean Strategy ist ebenfalls eine Matrizentechnik.

Die Osborn-Methode profitiert sehr stark von der Integration in eine Ideenfindungsmatrix.

Ideen kombinieren und ergänzen

Die letzte Phase der Ideenproduktion besteht aus dem Kombinieren und Ergänzen der Rohideen. In Deutschland ist die bekannteste Methode die 6-3-5-Technik.

Weitere Methoden für spezielle Aufgaben

Wir beschreiben in diesem Blog viele Methoden für die Ideenfindung für spezifische Aufgaben. Hier ist eine Auswahl:

 

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