Das Strategy Canvas ist ein praktisches Tool für Produkt- und Innovationsmanager, um ihr Angebot mit den wichtigsten Konkurrenzprodukten zu vergleichen. Es identifiziert mögliche Marktlücken und liefert wertvolle Hinweise zur Optimierung des eigenen Produkts. So kann ein Unternehmen neue Alleinstellungsmerkmale etablieren und dadurch eine bessere Produktdifferenzierung gewinnen.
Das Ziel des Strategy Canvas ist, Gelegenheiten zur Produktdifferenzierung aufzuzeigen. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn sich das Produkt in einem starken Wettbewerb befindet. Im Extremfall ist es eine Commodity – das heißt, es hat keine Merkmale, die es von seinen Konkurrenten unterscheidet. Dies ist der ‚rote Ozean‘, von dem Kim und Mauborgne sprechen.
Durch die Verstärkung oder Abschwächung eines Merkmals kann das Produkt besser an die Bedürfnisse eines Marktsegments angepasst werden, und durch das Hinzufügen neuer, unerwarteter Merkmale können möglicherweise neue Marktsegmente erschlossen werden. In beiden Fällen wird die Konkurrenzfähigkeit des Produktes gestärkt.
Der Aufbau des Strategy Canvas
Das Strategy Canvas ist ein Parallelkoordinatendiagramm. Das Titelbild zeigt ein Beispiel. Die einzelnen Koordinatenachsen entsprechen unterschiedlichen Produktmerkmalen, die bei der Zielgruppe eine Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Es sind die Faktoren, in die die Hersteller investieren und die ihre Wettbewerbsstrategien charakterisieren.
Die senkrechte Achse zeigt den Grad der Ausprägung der verschiedenen Merkmale. Sie kann sowohl quantitativ als auch qualitativ sein.
Der Hintergrundgedanke des Strategy Canvas
Die Methode geht davon aus, dass es Marktsegmente mit verschiedenen Eigenschaften gibt.
Segmente, die unzufrieden sind, weil sie Merkmale bezahlen müssen, die sie entweder nicht interessieren oder die für ihre Bedürfnisse überdimensioniert sind.
Segmente, die noch keine Kunden sind, weil ihnen bestimmte Merkmale fehlen, oder weil Merkmale vorhanden sind, die sie ablehnen.
Segmente, die sich bei bestimmten Merkmalen eine noch höhere Leistung wünschen.
Segmente, die bestimmte Leistungskonfigurationen von Merkmalen wünschen.
Durch entsprechende Anpassungen des Produktes können diese Segmente besser bedient oder sogar erstmalig erschlossen werden.
Das Strategy Canvas ausfüllen
Das Strategy Canvas wird in vier Schritten aufgebaut:
Wettbewerbsfaktoren identifizieren und auf der horizontalen Achse eintragen.
Die Skalierung für jeden Faktor wählen. Das kann von einer ja/nein Frage bis zur quantitativen Skala sein.
Die Profillinie des eigenen Produktes im Diagramm eintragen.
Die Profillinien für ein oder mehrere Wettbewerbsprodukt(e) eintragen.
Anwendung
Im Titelbild konkurrieren die Produkte rot, grün, gelb und blau in einem bestimmten Marktsegment. Es gibt sechs wichtige Merkmale, deren Ausprägung niedrig, mittel oder hoch sein kann. Die aktuelle Leistung der vier Produkte ist mit durchgehenden Linien dargestellt und ist überall ungefähr gleich. Die vier Produkte sind also direkte Wettbewerber.
Vier Ansätze zur Produktdifferenzierung
Das Bild zeigt vier Ansätze zur Differenzierung (die sogenannte Four Actions Framework). Diese heißen bei Blue Ocean Eliminate (Entfernen), Reduce (Reduzieren), Raise (Verstärken) und Create (Einführen).
Verstärken
Gelb hat ein Marktsegment entdeckt, das sehr viel Wert auf eine hohe Leistung bei Merkmal 1 legt. Der Hersteller kann diese Leistung erhöhen (gelbe gestrichelte Linie), um die der anderen drei zu übertreffen. Dadurch wird das gelbe Produkt in diesem Segment zum Marktführer.
Reduzieren
Grün hat ein Marktsegment entdeckt, das wenig Wert auf Merkmal 5 legt. Grün könnte die Leistung hier reduzieren, um den Kaufpreis des Produktes für dieses Segment zu senken (gestrichelte Linie).
Entfernen
Für ein Marktsegment, das gegenüber Merkmal 6 gleichgültig ist, kann Rot dieses Merkmal aus dem Produkt entfernen und so den Kaufpreis senken.
Einführen
Einführen ist der spannendste Ansatz. Hier geht es darum, ein neues Merkmal zu erfinden, das sonst keiner hat. Das gibt dem Produkt – für kurze Zeit jedenfalls – ein Quasi-Monopol. Im Titelbild ist das durch die blaue gestrichelte Linie dargestellt, die das Produktprofil und das Diagramm um ein weiteres Merkmal nach rechts verlängert.
Wer soll mitmachen?
Das Canvas ist nur dann nützlich, wenn die Merkmale gut gewählt sind und die relativen Leistungswerte gut geschätzt sind. Darum sollte es von Mitarbeitern erstellt werden, die einen guten Marktüberblick haben und die Zielgruppe gut kennen. Andernfalls kann das Werkzeug zu teuren Trugschlüssen führen.
Beispiele
Unsere Ideen- und Innovationsworkshops
Die Grafik zeigt das Strategy Canvas für unsere eigenen Ideen- und Innovationsworkshops in blau:
Zum Vergleich sind zwei Kategorien von Workshops eingetragen. Das grüne Profil zeigt den typischen kleinen Kreativworkshop. Das rote Profil zeigt einen längeren Innovationsworkshop, der oft mehr Themen als die reine Ideenfindung abdeckt.
Das Canvas enthält neun Merkmale:
Preis
Der Preis für unsere Workshops ist am hohen Ende des Spektrums. Dies rechtfertigen wir durch den höheren Nutzen, den die Workshops bieten.
Keynotes
Bei den großen Workshops enthalten oft Keynote-Vorträge oder Referate. Diese vermeiden wir, weil sie erfahrungsgemäß wenig zum Ergebnis beitragen.
Scope
Unsere Workshops haben nur die Ideenproduktion zum Ziel. Im Gegensatz dazu haben die roten Workshops oft weitere Innovationselemente wie Design Thinking, Business Plan-Erstellung oder Prototypenbau. Darauf verzichten wir, weil diese Aktivitäten in einen größeren Kontext als einen Workshop gehören.
Dauer
Wir haben festgestellt, dass 1,5 Tage die optimale Dauer für einen Workshop ist. Die Zeit reicht für alle Phasen der Ideenfindung – von der Einstimmung ins Thema bis zur Wahl und Diskussion der Siegerideen. Der Grenznutzen einer längeren Veranstaltung rechtfertigt eine Ausdehnung nicht.
Ideenproduktion*
Es gibt viele Methoden zur Ideenfindung. Wir verwenden nur strukturierte Methoden, weil die Ideenfindungsaufgaben unserer Kunden meistens sehr anspruchsvoll sind. Methoden wie die Suchfeldmatrix erlauben es uns, gezielte und problemnahe Inspirationen bereitzustellen, was mit einfacheren Methoden wie Brainwriting schlecht möglich ist.
Unser Workshop-Material ist vollständig auf die Aufgabenstellung zugeschnitten. Wir entwerfen und drucken alle Unterlagen wie Inspirationen, Analogien, Ideenbewertungsbögen selbst. Der bekannte Moderationskoffer, den man in guten Seminarhotels findet, kommt bei uns nicht zum Einsatz.
Bewertung
Das bekannte Dot-Voting reicht für anspruchsvolle Aufgaben nicht aus. Unsere Auftraggeber haben vielfältige Erfolgskriterien wie voraussichtliche Umsatzrendite, Marktpotenzial, Passfähigkeit zum Unternehmen oder Entwicklungsaufwand, die bei der Bewertung berücksichtigt werden sollen.
Stil
Viele Workshops sind verspielt, oder haben ‚kreative‘ Elemente. Dagegen verstehen wir die Ideenfindung als Engineering-Aufgabe, und unsere Workshops haben zwar eine Atmosphäre, die locker ist und Spaß macht, aber in der Hauptsache auf das Ziel fokussiert sind.
Briefing
Wir vereinbaren mit unseren Auftraggebern ein ausführliches Briefing-Dokument. Dieses Dokument ist das Ergebnis eines Kennenlerngesprächs und enthält Ziele, Muss-Kriterien und Erfolgskriterien für die Ideen. Daran wird später der Erfolg des Workshops gemessen. Unsere Auftraggeber sind oft Geschäftsführer oder Abteilungsleiter von technischen Unternehmen, und sie schätzen dieses Dokument als eine Art Lastenheft, das sie aus dem Projektmanagement kennen.
Weitere Beispiele
Das Internet hat einige Strategy Canvas-Beispiele:
blueoceanstrategy.com zeigt Strategy Canvas-Beispiele für ein Mobiltelefon, den Öffentlichen Verkehr, eine Weinmarke, eine Spendeninitiative und eine Hotelkette.
Bei drei der vier Ansätze des Four Actions Framework ist es im Prinzip klar, was zu tun ist: ein Produktmerkmal wird verstärkt, abgeschwächt oder eliminiert. (Natürlich kann es eine technische Herausforderung sein, eine gute Leistung noch weiter zu erhöhen.) Der vierte Ansatz Create (Einführen) ist aber anders: es soll ein neues Merkmal gefunden werden, das für ein möglicherweise noch unbekanntes Marktsegment attraktiv ist. Hierfür liefert das Canvas keine Hinweise.
Create ist für uns am interessantesten, weil es eine Kreativherausforderung ist und deswegen eine Aufgabe für einen Ideenworkshop. Dieser Workshop nutzt spannende Fragen, zum Beispiel:
Zur Zeit kauft die Zielgruppe A Produkte wie dieses nicht. Sie würde sich aber dafür interessieren, wenn es die Eigenschaft B bekommen würde. Wer ist A und was könnte demzufolge B sein?
Das berühmte Beispiel von Kim und Mauborgne ist der kanadische Zirkus Cirque du Soleil. Dieser hat sich eine einzigartige Stellung erschaffen, indem er neue Merkmale des Theaters wie Tanz und Musik erschaffen hat. Dadurch hat er sich für ein kulturell anspruchsvolles Publikum attraktiv gemacht, das bisher nicht in den Zirkus gegangen ist.
Vorteile und Nachteile
Vorteile des Strategy Canvas sind:
Es liefert ein verständliches Bild von der aktuellen Wettbewerbslandschaft, in der sich ein Produkt befindet.
Es zeigt Gelegenheiten zur Produktdifferenzierung auf.
Nachteile des Strategy Canvas sind:
Für die Maßnahme Einführen (Create) liefert es keinen Hinweis, welche neuen Merkmale möglich und relevant sind.
Wenn Merkmale gewählt werden, die für die Zielgruppe wenig Bedeutung haben, kann es zu Trugschlüssen führen.
Das Idea Napkin ist ein Mini-Fragebogen, mit dem man das Wesentliche an einer Idee schnell festhalten kann. Es enthält eine Handvoll Überschriften, die die wichtigsten Themen abdecken.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen abends im Restaurant und haben plötzlich ein gute Idee. Sie wollen Ihre Idee schnell aufschreiben, aber die einzige verfügbare Fläche ist Ihre Serviette. Aus diesem Szenario heraus ist der Name Idea Napkin geboren.
Was ist ein Idea Napkin?
Das Idea Napkin (Ideensteckbrief) ist eine Vorlage, die im Ideenworkshop unmittelbar nach der Ideenproduktion eingesetzt wird und eine erste Vertiefung für ausgewählte Rohideen ermöglicht. Im ersten Moment besteht eine Rohidee aus nicht mehr als einem Stichwort oder einer kurzen Phrase. Sie sind unklar oder unvollständig und für andere wenig verständlich. Mit dem Idea Napkin werden sie ein Stück weit verständlicher gemacht. Das bildet die Grundlage für eine Erstbewertung und einen Vergleich und die Entscheidung, welche Ideen weiter betrachtet werden sollen.
Die Standard-Überschriften beim Design Thinking
Das Idea Napkin ist beim Design Thinking entstanden. Dort stehen fünf typische Überschriften auf dem Blatt:
Name.Wie heißt die Idee?
Kurzbeschreibung.Wie kann man sich diese Idee vorstellen? Wie funktioniert sie?
Problem. Welches Problem wird durch diese Idee gelöst?
Zielgruppe.Wer sind die Kunden bzw. die Nutzer dieser Idee?
Skizze.Eine Zeichnung, um die Idee verständlich zu machen.
Es ist auch möglich, Raum für eine Mini-Bewertung auf der „Serviette“ vorzusehen:
Die Vorteile des Idea Napkin
Die Vorteile des Idea Napkin-Konzeptes sind:
Es ermöglicht eine klare und kompakte Formulierung einer Idee.
Es fördert schnelles, flexibles Denken.
Es verbessert die kreative Zusammenarbeit.
Der Ideensteckbrief
In unseren kleinen Ideenworkshops ist nicht genug Zeit für einen umfangreichen Ideenausbau. Wir verwenden dann unsere eigene Version des Idea Napkins, die wir Ideensteckbrief nennen. Der Ideensteckbrief ist ein DIN A4-Vordruck mit den wichtigsten Angaben, um eine Idee verständlich zu machen.
Die spezifischen Fragen hängen von der Aufgabenstellung ab. Für einen Design Thinking Ideenworkshop für neue Produkt-Features könnten die Fragen beispielsweise lauten:
Name des Features
Was macht dieses Feature?
Welche Nutzergruppe hätte die größten Vorteile von diesem Feature?
Wie schnell könnten wir einen Prototyp dieses Features erstellen?
Ist dieses Feature kompatibel mit dem Grundkonzept des Produktes?
Die Workshop-Teilnehmer können diesen Steckbrief in wenigen Minuten fertigstellen. Damit können die Teilnehmer ihre Ideen in der Diskussionsrunde am Ende des Workshops vergleichen und priorisieren.
Welches Problem wird durch diese Erfindung gelöst?
Warum hat diese Idee die nötige Erfindungshöhe?
Könnten wir eine Verletzung vor dem Patentgericht nachweisen?
(Skizze)
(Checkbox) Wie sollen wir mit dieser Idee umgehen? a) Patent anmelden, um ein eigenes Produkt zu schützen b) Patent anmelden, um Wettbewerber zu behindern c) Idee veröffentlichen, um ein fremdes Patent zu verhindern
Die Angaben 3, 4 und 6 sind spezifische Fragen an Erfindungen, die dem Auftraggeber bei der Entscheidung helfen, wie er damit umgehen will.
Design Thinking ist eine iterative Methode, um innovative Ideen für Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt, um sicherzustellen, dass die Lösungen nicht nur funktional, sondern auch für ihre Nutzer attraktiv sind. Ideenworkshops spielen beim Design Thinking eine wichtige Rolle, weil hier die Ideen für die neuen oder verbesserten Angebote entstehen.
Die Vorteile des Design Thinking
Nutzerzentriert: Design Thinking kann Ergebnisse produzieren, die eine hohe Akzeptanz bei ihren Nutzern haben.
Kreativität und Innovation: Der Prozess fördert kreatives Denken und die Entwicklung innovativer Lösungen.
Adaptiv: Weil der Prozess iterativ ist, kann er sich auf neue Erkenntnisse anpassen.
Die fünf Phasen des Design Thinking
Empathize (Verstehen):
Im ersten Schritt wird mit Hilfe von Interviews und Beobachtungen ein Verständnis für die Bedürfnisse, Wünsche und Herausforderungen der Nutzer entwickelt.
Define (Definieren):
Aus den Erkenntnissen der Empathiephase werden die zu lösenden Probleme spezifiziert.
Ideate (Ideen finden):
Hier werden die kreativen Ideen zur Lösung der definierten Probleme entwickelt.
Prototype (Prototypen bauen):
Schnelle und kostengünstige Modelle der besten Ideen werden entwickelt.
Test (Testen):
Die Prototypen werden mit Nutzern getestet, um Feedback zu sammeln und die Lösungen zu verbessern.
Die Rolle von Ideenworkshops im Design Thinking
Der mittlere Schritt im Design Thinking Prozess ist die Ideenfindung. Dort werden mögliche Lösungen für die Aufgaben gesucht, die sich aus den Nutzerbefragungen ergeben. Oft genügt ein einfaches Brainstorming, um diese Ideen zu finden. Wenn aber viele oder komplexe Aufgaben gelöst werden müssen, kann ein Ideenworkshop die effektivere Lösung sein. Beim Service Blueprinting beispielsweise fallen Aufgaben entlang des ganzen Dienstleistungsprozesses an, die auch häufig auch untereinander verknüpft sind. In diesem Fall ist es hilfreich, alle Aufgaben zusammen in einem Service Design Workshop zu bearbeiten.
Beispielaufgaben
Die Ideenfindungsaufgaben, die in den Schritten 1 und 2 entstehen, können so aussehen:
Wie können wir die Anmeldung eines neuen Gerätes so einfach wie möglich machen?
Wie können wir das Risiko eines Rohrbruchs beim Austausch der Pumpe minimieren?
Wie können wir die Anzahl Medienbrüche im Prozess reduzieren?
Wie können wir den Aufwand zur Lokalisierung eines Problems in der Anlage reduzieren?
Ein Ideenworkshop ist ein effektives Werkzeug, um Ideen zur Lösung von Aufgaben dieser Art zu finden. Das Idea Napkin ist eine Möglichkeit, um diese Lösungen schnell zu charakterisieren.
Fazit
Design Thinking ist ein leistungsstarker Ansatz zur Lösung komplexer Probleme, der sich durch seinen menschenzentrierten Fokus und seine iterative Natur auszeichnet. Er hilft dabei, innovative und nutzerfreundliche Ideen sowohl in der Produktentwicklung als auch im Service-Design zu entwickeln. Ideenworkshops im Design Thinking bieten die entscheidende Brücke zwischen den Konzeptphasen und den anschließenden Validierungsphasen.
Problem Solution Fit (PSF) ist der erste Meilenstein in der Entstehung eines Startups. Er legt das Fundament für das Geschäft und ist der Ausgangspunkt für die nächsten Schritte. In diesem Problem Solution Fit Seminar lernen Gründer die Grundlagen des PSF kennen, und sie beginnen, die einzelnen Elemente für ihr eigenes Unternehmen zu entwickeln.
Inhalt des Seminars
Das Problem Solution Fit Seminar beruht auf Inhalten der Startup Engineering-Kurse, die seit 2015 an der Universität Magdeburg angeboten werden. Diese Version des Seminars wurde zum ersten Mal 2017 bei der Founders Foundation durchgeführt.
Basisversion
Die Basisversion des Seminars besteht aus den folgenden Modulen:
Was ist ein Startup genau?
Was ist Problem Solution Fit und warum ist es wichtig?
Das Kundenproblem spezifizieren
Die Zielgruppe definieren
Das Produktkonzept beschreiben
Faktoren, die den Fit beeinflussen könnten
Alle Punkte ab 3. bestehen aus einer kurzen Einführung und einer Arbeitsphase, in der die Gründer ihre eigenen Ideen und Pläne ausarbeiten und bewerten.
Vollversion
Die Vollversion des Seminars entspricht der Basisversion mit den zusätzlichen Modulen:
Wie man Zielgruppengespräche vorbereitet
Exploration und Validierung
Hypothesen und Experimente
Kundennutzen und Kundenbedürfnisse
Ein Nutzenversprechen formulieren
Zielgruppe
Die Zielgruppe für das Problem Solution Fit Seminar sind Startup Accelerators und Gründerzentren von Hochschulen, die ihren Teilnehmern bzw. Studenten und Mitarbeitern einen Einstieg in das Thema Startup-Gründung geben wollen.
Die Teilnehmer sind Startup-Gründer, die am Anfang ihres Gründungsprojektes stehen oder Interessierte, die beabsichtigen, ein Startup zu gründen.
FAQ
Ist das Seminar online oder Präsenz?
Das Seminar wird sowohl online als auch als Präsenzveranstaltung angeboten. Für die Online-Version brauchen die Teilnehmer einen Web-Browser und die Kommunikationssoftware Zoom. Wir benutzen das digitale Whiteboard Miro.
Wie lang dauert das Seminar?
Die Basisversion des Seminars dauert einen halben Tag. Die Vollversion dauert einen ganzen Tag. Die Dauer kann an die individuellen Wünsche des Auftraggebers angepasst werden.
Kann ich an meiner eigenen Geschäftsidee arbeiten?
Natürlich! Sie werden etwa 75% der Zeit mit Ihrer eigenen Idee verbringen.
Wie viele Teilnehmer darf es geben?
Um eine optimale Betreuung zu gewährleisten, sollte die Anzahl Gründerteams kleiner als 10 sein. Ein Gründerteam kann (sollte!) aus mehreren Personen bestehen.
Welche Voraussetzungen soll ich mitbringen?
Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich.
Soll ich meine eigene Startup-Idee mitbringen?
Das wäre ideal, aber wir können auch Beispiel-Startups zum Üben bereitstellen.
Der Brainwriting Pool ist eine Kreativitätstechnik, bei der Teilnehmer ihre Ideen auf einzelnen Karten notieren und in einen gemeinsamen Ideenpool legen, ohne dabei zu sprechen. Das ruhige Arbeiten ermöglicht eine bessere Konzentration und verhindert Unterbrechungen. Der Nachteil dabei ist, dass die Inspirationsintensität aufgrund der fehlenden mündlichen Interaktion geringer ist.
Geschichte der Methode
Laut Wikipedia wurde die Methode von Helmut Schlicksupp im Jahre 1975 erstmals beschrieben. Sie steht in seinem Buch Ideenfindung aus dem Jahr 1980. Seine Beschreibung der Methode ist interessanterweise anders, als sie heute oft dargestellt wird. In diesem Artikel präsentieren wir die Methode in ihrer Originalform.
Ablauf der Methode
Vorbereitung und Material
Es sind keine Vorbereitungen notwendig. Als Material werden lediglich Stifte und kleine Blätter oder Karten benötigt. Die Größe DIN A5 finden wir am besten.
Bei einer Online-Durchführung der Technik braucht es ein digitales Whiteboard. In unseren Ideenworkshops nutzen wir dafür Miro.
Schritte
Die Teilnehmer schreiben ihre Ideen einzeln auf Karten und legen sie in die Mitte des Tisches.
Sie können entweder eine frisches Blatt nehmen und eine neue Idee daraufschreiben, oder ein bereits beschriebenes Blatt aus dem Haufen nehmen und die dort stehende Idee ergänzen.
Jeder Teilnehmer arbeitet im eigenen Tempo.
Das Ganze findet ohne Worte statt.
Die Verfahren wird fortgesetzt, bis die Luft raus ist.
Nachbereitung
Nach der Ideenproduktion können die üblichen Schritte des Ideenworkshops kommen, das heißt, Clustern, Vertiefung, Bewertung und Auswahl.
Anwendungsgebiete
Man kann den Brainwriting Pool für jede Art von Ideenfindungsaufgabe verwenden. Um effektiv zu sein, sollten mindestens vier Personen teilnehmen. Wir finden fünf oder mehr Personen besser, weil die Vielfalt der Ideen dann größer ist.
Die Methode wird benutzt, um Ideen anzureichern und zu verbessern. Sie funktioniert am besten, wenn die Teilnehmer originelle Ideen selbst finden können (oder mitbringen), die von der Kombination mit anderen Ideen und den unterschiedlichen Perspektiven mehrerer Menschen profitieren.
Die Methode bietet keinerlei Perspektivwechsel. Sie eignet sich daher weniger für Situationen, in denen die Findung von Originalideen eine Herausforderung darstellt. Für solche Aufgaben braucht es mächtigere Techniken wie die Analogie oder die Suchfeldmatrix.
Beispiel
Die Grafik zeigt ein Beispiel aus einem Brainwriting Pool aus einem technischen Innovationsworkshop zur Verbesserung eines Gerätes.
Der erste Teilnehmer hat ganz oben auf der Karte eine Idee aufgeschrieben. Er schlägt vor, im Gerät ein Zahnstangengetriebe (rack and pinion) zu verwenden. Andere Teilnehmer haben ihre Kommentare hinzugefügt. Einer hat vermerkt, dass dadurch ein anderer Typ Feder notwendig wird, und alle anderen haben Vorteile von dieser Idee notiert.
Vor- und Nachteile des Brainwriting Pools
Vorteile
Alle Teilnehmer können im eigenen Tempo arbeiten; es ist Zeit zum Nachdenken da.
Der negative Einfluss von dominanten Persönlichkeiten wird ausgeschaltet. Das hilft vor allem ruhigen oder introvertierten Teilnehmern.
Bereits existierende Ideen werden angereichert und vertieft.
Die Stimmung ist lebhaft, ohne chaotisch zu sein.
Es wird kein Moderator benötigt.
Es sind keine Vorbereitungen erforderlich.
Jeder kann mitmachen; die Teilnehmer müssen keine Voraussetzungen erfüllen.
Nachteile
Die Anregungsdichte ist gering, weil jeder Teilnehmer die Ideen anderer nur in einem langsamen Takt kennenlernt.
Der Moderator kann den Prozess nicht lenken.
Die Methode bietet keinen Perspektivwechsel. Wenn die Aufgabe so schwer ist, dass am Anfang keinem eine Idee einfällt, kommt der Prozess nie in Gang.
Tipps und Best Practices
Um einen guten Start zu ermöglichen, kann der Moderator vorweg ein paar Ideen in den Haufen legen.
Wir mischen gern Karten unter, die Tipps für die Ergänzung von Ideen enthalten. Eine Möglichkeit sind die Vorschläge der Osborn-Checkliste (Vergrößern, Ersetzen, Kombinieren, …)
Es ist keine Kritik an den Ideen erlaubt, und Killerphrasen sind verboten.
Man kann die Regel einführen, dass jeder Teilnehmer seine Idee kurz vorliest, wenn er seine Idee auf den Haufen legt. Auf diese Weise bekommen alle Teilnehmer alle Ideen mit.
Der Moderator sollte den Prozess mindestens 20 Minuten laufen lassen und abbrechen, bevor die Teilnehmer die Lust verlieren.
Die Methode eignet sich besser für die Combine and Enhance Phase der Ideenfindung als für die eigentliche Ideenproduktion.
Eine Variante der Methode besteht darin, die Blätter einmal unter den Teilnehmern kreisen zu lassen, bevor sie in der Tischmitte abgelegt werden.
Brainwriting Pool FAQ
Kann man den Brainwriting Pool online durchführen?
Ja, Mit einem digitalen Whiteboard wie Miro geht das sogar sehr gut.
Was ist der Unterschied zwischen Brainwriting Pool und Brainwriting 635?
Beim Brainwriting Pool arbeiten die Teilnehmer im eigenen Tempo und wählen die Ideen, die sie bearbeiten wollen, frei. Bei der 6-3-5-Technik dagegen wird ein strenger Takt vorgegeben, und die Teilnehmer müssen ihre Ideenzettel im Kreis weitergeben.
Wie viele Teilnehmer sind ideal für einen Brainwriting Pool?
Die Methode funktioniert mit fünf bis sieben Teilnehmern am besten.
Wie lange dauert eine typische Brainwriting-Session?
Kürzer als 20 Minuten lohnt sich nicht. Die Länge hängt nur von der Stimmung in der Gruppe ab. Wir haben nie länger als 45 Minuten erlebt.
Welche Vorteile bietet der Brainwriting Pool gegenüber Brainstorming?
Der Brainwriting Pool ist leise und weniger hektisch. Ruhige Menschen sind produktiver, und es ist mehr Zeit zum Nachdenken da.
Was ist der Unterschied zwischen Brainwriting und Brainwalking?
Beim Brainwalking wird auf Plakaten oder Pinnwänden geschrieben. Anstatt Karten auf dem Tisch hin- und herzuschieben wandern die Teilnehmer von Stelle zu Stelle im Raum.